Belgiens radikaler Verzicht auf den Wiederaufbau

aktuell, 04.07.2026

Während im Ahrtal nach der Flutkatastrophe von 2021 fast überall wieder aufgebaut wurde, zog unser Nachbarland Konsequenzen: Ein eindrucksvoller Vorher-Nachher-Vergleich aus Pepinster zeigt, warum dort heute Wiesen statt Häuser am Ufer stehen.

Der Umgang mit den Folgen der Hochwasserkatastrophe vom Juli 2021 unterscheidet sich in den betroffenen europäischen Regionen stark.

Wie viel Raum gesteht man einem Fluss nach einem solchen Jahrhundertereignis zu, und wo ist ein sicherer Wiederaufbau überhaupt noch möglich?

Ein besonders drastisches Beispiel für einen städtebaulichen Radikalschnitt liefert die belgische Kleinstadt Pepinster (ca. 9.300 Einwohner), etwa 35 km südwestlich von Aachen. Die dort getroffenen Maßnahmen stehen in starkem Kontrast zu den politischen Entscheidungen im deutschen Ahrtal.

Die folgenden Aufnahmen zeigen Pepinster an der Weser (Vesdre), die im Juli 2021 das Epizentrum der Flutkatastrophe in Belgien bildete. In der Gemeinde und ihrer Umgebung wurden damals 27 Todesopfer und zahlreiche Vermisste gemeldet.

Die immensen Wassermassen richteten verheerende Schäden an der Infrastruktur an: Mehr als 1.400 Häuser und Wohnungen wurden entweder sofort total zerstört oder so schwer beschädigt, dass sie in der Folgezeit abgerissen werden mussten.

 

Der direkte Vergleich zu heute macht die radikalen städtebaulichen Konsequenzen dieser Tragödie sichtbar: Die ehemals dicht bebaute Häuserzeile direkt am Flussufer wurde vollständig abgetragen und ganz bewusst nicht wieder aufgebaut.

Um der Weser bei künftigen Extremwetterereignissen mehr Raum zur Ausdehnung zu geben und das Risiko für die Bevölkerung zu minimieren, verwandelte man die betroffene Uferzone dauerhaft in eine unbebaute Freifläche.

 

Im Ahrtal ging man einen anderen Weg. Obwohl dort ebenfalls intensiv über den Sinn eines Wiederaufbaus in direkter Flussnähe debattiert wurde, verhängte das Land Rheinland-Pfalz nach der Ausweisung neuer Hochwasser-Risikokarten nur sehr punktuelle, absolute Bauverbote.

Insgesamt betraf dies entlang der gesamten Ahr lediglich rund 34 Gebäude und Grundstücke. Zwar wurden auch an der Ahr etliche unrettbare Häuser im Nachgang abgerissen, der überwiegende Teil der zerstörten Flächen durfte jedoch – unter strengen Auflagen zum hochwasserangepassten Bauen – an Ort und Stelle wiedererrichtet werden.

Während in Pepinster also ganze Häuserreihen dauerhaft aus dem Ortsbild verschwunden sind, wurde das Ahrtal in seiner alten Struktur zu weiten Teilen wiederbesiedelt.

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